Postpunk – Kapitel 06




Am nächsten Morgen stand Posti ganz früh auf, um bei Harald ihre Simson abzuholen. Als sie bei der Werkstatt ankam, stand ihre Simson schon davor, doch irgendwie sah sie seltsam aus. Der Tank wirkte dicker, am Lenker waren zusätzliche Kabel, Handschützer und eine Windschutzscheibe angebracht worden.

„Guten Morgen Posti, so früh schon auf?“, fragte Harald, der aus dem Fenster seines Bauwagens heraus guckte.
„Ja, es ist ja auch ein weiter Weg zum Weihnachtsmann.“
„Komm, wir treffen uns im Küchenwagen. Dann erkläre ich dir, was wir mit deiner Maschine gestern noch angestellt haben.“
Durch ein Missgeschick ihrer Nachbarn war der alte Küchenwagen letztes Jahr explodiert. Doch innerhalb kürzester Zeit hatten die Bewohner_innen des Wagenplatzes einen neuen größeren und luxuriöseren gebaut. Dort saß Posti nun am Küchentisch und wartete auf Harald, der gerade heißes Wasser für seinen Tee zubereitete.
Als er sich setzte, fing Posti an: „Meine Simson sieht irgendwie komisch aus.“
„Keine Sorge Posti, wir haben sie nur an die Anforderungen deiner Reise angepasst. Wir haben zum Beispiel einen größeren Tank eingebaut, damit du nicht so oft tanken musst.“
„Ach deswegen sieht der Tank so aus, als ob er aufgepustet wurde.“
„Genau, für das kalte Wetter haben wir dir Heizgriffe verbaut und gegen den Fahrtwind hat deine Maschine nun Handschützer und die Windschutzscheibe. Die Einstellung am Vergaser haben wir auch der kalten Witterung angepasst. Zusätzlich haben wir deine Maschine zur Enduro-Version hochgerüstet, das heißt das sie jetzt noch stabiler ist. Wenn du konsequent 40 Km/h fährst, dann solltest du mit relativ guter Geschwindigkeit am weitesten kommen. Wenn du langsamer fährst, verbrauchst du noch weniger Sprit.“
„Harald, hör auf, du schweifst schon wieder ab.“
Ohne von Harald bemerkt zu werden, hatte Eva den Küchenwagen betreten und angefangen, sich Kaffee zu machen.
„Posti will zum Nordpol und zurück, dafür ist das Benzinverbrauch-Diagramm unwichtig.“, ermahnte sie Harald.
Zu Posti sagte sie: „Ab auf die Piste, vierter Gang und dann Vollgas bis zum Pol.“
„Ach ja“, fiel es Harald ein, „wir haben für dich einen Satz Schneeketten gebaut. Wenn du am Nordpol bist, gibt es da nur Schnee, Eis und keine Straßen.“
Evas Kaffee war fertig und sie setzte sich zu beiden an den Tisch.
„Hast du noch Fragen?“, fragte sie Posti.
„Nein, vielen Dank für eure Hilfe.“
Harald antwortete: „Kein Problem, bei so etwas helfen wir immer gerne. Wenn wir alle stets unser Bestes geben, dann können wir gemeinsam nur vorwärts kommen.“
„Wie meine Simson, vorwärts immer, rückwärts nimmer.“, sagte Posti grinsend.
Sie verließ den Küchenwagen und schwang sich auf ihr Post-Reise-Simson.

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