Chapter 09
Crowbar kam zu sich. Er lag auf dem Bauch auf einer Couch mit einer mittlerweile abgekühlten Wärmflasche unter einer dicken Decke. Als er sich umsah, erkannte er Ratchets Wohnzimmer. In einem Sessel gegenüber döste Sidney.
Als er sich aufzurichten versuchte, zuckte er vor Schmerz zusammen.
„Verdammt, eine Rippenprellung.“, dachte er.
Von Crowbars Stöhnen war Sidney aufgewacht: „Bleib liegen!“
„Geht nicht, muss Pipi.“
Er erhob sich langsam uns bewegte sich wie ein Greis Richtung Toilette.
Als er zurück ins Wohnzimmer kam, war Ratchet dazugekommen: „Na endlich, wir hatten schon Angst, dass du gar nicht mehr aufwachst.“
„Du weißt doch, Unkraut vergeht nicht.“
„Was zum Henker ist dir überhaupt passiert? Du hast mich angerufen, aber außer Rauschen war da nicht viel. Dann bekam ich deine Koordinaten.“
„Atzen.“
„Was?“, frage Sidney.
„Das heißt ‚Wie bitte?‘“, korrigierte Crowbar.
„So schwer können seine Verletzungen nicht sein, wenn er schon wieder Klugscheißen kann.“
„Ja, ja, hack nur auf dem kranken alten Mann rum, du junge Hüpferin.“
Sie fragte Crowbar: „Also was ist dir passiert, dass du so ramponiert aussiehst? Und sag jetzt nicht, ich sollte erst mal die anderen sehen.“
„Drei Atzen haben mich mit ihrem hässlichen BMW von der Straße abgedrängt und dann verprügelt.“
„Das erklärt einiges“, kommentierte Ratchet, „Warum haben sie dich überfallen?“
„Ich habe eine grobe Ahnung, woher der Wind weht.“
„Möchtest du diese Ahnung mit uns teilen?“
„Einer von den Idioten plärrte immer wieder etwas davon, dass ich seine Freundin nicht anfassen soll.“
„Du meinst, es war Sonjas Freund?“
„Na hoffentlich mittlerweile ihr Exfreund.“
„Wie bitte? Ich komm nicht mehr ganz mit. Wer ist Sonja und was hat ihr Freund damit zu tun, dass Crowbar wie ein Pfund Hackepeter aussieht?“, frage Ratchet Sidney
„Crowbar, hast du wieder mit ner Oldlady geflirtet?“, fragte er ihn.
„Die war gar nicht alt, vielleicht 21.“, versuchte Sidney Crowbar zu helfen.
Ratchet guckte genervt zu Sidney.
Crowbar versuchte zu grinsen: „Sidney, eine Oldlady, ist nicht zwangsläufig eine alte Dame, eine Oldlady ist in Rockerkreisen eine feste Freundin oder Ehefrau. Also wenn, sagen wir, du und Ratchet …“
„NEIN!“, antworteten beide zeitgleich.
„Ja, ja, Crowbar ich hab verstanden, was eine Oldlady ist.“, schnitt Sidney ihm das Wort ab.
„Schön, wieder was gelernt. Jedenfalls als die drei mich mit Pfefferspray und Basi am Verdreschen waren, hat er halt immer wieder etwas von seiner Freundin geplärrt.“
Crowbar nieste lautstark und ächzte wegen seiner geprellten Rippen: „Na toll, Rippen geprellt, Moped kaputt und erkältet hab ich mich auch noch, super. Ich würde das neue Jahr gerne reklamieren, es ist kaputt.“
„Was hast du nach deinem Nickerchen auf dem Feld erwartet? Dass du wieder 25 bist?“, spottete Sidney.
„Ja, ja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.“
Crowbar versuchte aufzustehen. Ratchet verließ den Raum in die Küche.
„Du bleibst erst mal liegen! Du verlässt das Bett nur fürs Klo oder zum Waschen, ansonsten gilt strenge Bettruhe! Sonst wirst du ewig nicht gesund, wird sogar vielleicht noch schlimmer.“, wies Sidney ihn zurecht.
„Ah, da ist sie wieder, Terror-Krankenschwester Sidney.“
„Was hast du erwartet? Kurzer Rock und Spitzenhäubchen?“
„Nee, bei weitem nicht. Steht dir meiner Meinung nach nicht.“
„Das ist deine Sicht der Dinge.“
„Deswegen heißt es ja auch Meinung und nicht Deinung.“
„Schon verstanden, jetzt ruh dich aus.“
Sidney stand auf und begann sich anzuziehen: „Viel schlafen, viel trinken, viel schwitzen, dann sollte die Erkältung zügig durch sein.“
„Viel trinken klingt gut, das kann ich.“
„Alkohol- und koffeinfrei!“
„Du gönnst einem auch keinen Spaß.“
„Wenn Krankheiten Spaß machen würden, wäre ich arbeitslos.“
Sidney winkte zum Abschied und machte sich auf den Heimweg. Ratchet betrat das Zimmer mit einer Schüssel Suppe in den Händen.
„Was hast du mit der Suppe vor? Ich hab noch alle Zähne.“
„Sidney hat gesagt, du sollst viel Flüssigkeit zu dir nehmen.“
„Sehr gut, ich nehme ein Bier.“
Ratchet stellte ihm die Suppe hin: „Hier!“
„Das ist kein Bier.“, stellte Crowbar fest.
„Wenn du artig deine Suppe aufisst, hat Frau Doktor eine warmes Bier als Nachtisch erlaubt.“
„Wenn ich artig bin, gibt’s Leckerchen?“
„Sozusagen.“
„Sie ist ein durchtriebenes Luder, die weiß, wie sie mich dran kriegt.“
Crowbar zog sich eine Jogginghose an und begann seine Suppe zu löffeln.
„Was hast du vor, wenn du wieder fit bist?“
„Finden und vernichten.“
„Du meinst suchen und vernichten.“
„Nein, ‚suchen‘ beinhaltet die Möglichkeit, etwas nicht zu finden. Diese Option steht für mich nicht zur Debatte.“
„Hm, das macht Sinn.“
„Das ergibt Sinn, ‚Sinn machen‘ ist aus dem englischen falsch übersetzt, Sinn ist wie Frankreich, er ergibt sich.“
Nachdem Crowbar seine Suppe ausgelöffelt hatte, widmete er sich seinem „Nachtisch“. Als er sein Bier geleert hatte, merkte er, wie die Erkältung, seine Erschöpfung und das Bier ihn niederstreckten und er legte sich zum Schlafen hin.