Chapter 13
Crowbar hielt auf der anderen Seite der Straße vor der Pizzeria. Er stieg von seinem Roller und beobachtete durch die Schaufenster des Ladens den Betrieb. Nach einer Weile erkannte er einen der Verkäufer als Torben. Nachdem er sein Ziel gefunden hatte, erkundete er die Umgebung. Die Pizzeria grenzte an eine kleine Gasse, in der mehrere Lieferroller geparkt waren. Über eine Tür konnte man die Pizzeria von hinten betreten. Ein übervoller Aschenbecher zeugte davon, dass die Belegschaft hier ihren Raucherpausen nachging. Crowbar hielt sich unauffällig im Schatten und wartete.
Zu seinem Glück musste er nicht lange warten. Eine Viertelstunde später öffnete Torben die Tür. Er blieb unter dem kleinen Vordach stehen, stecke sich eine Zigarette in den Mund und griff in seine Hosentasche. Als er kein Feuerzeug fand, tastete er die anderen potentiellen Stellen ab. Plötzlich hörte er von der Seite ein Klicken und jemand bot ihm mit einem Zippo Feuer an. Als er sich seine Zigarette daran anzündete, erkannte er im Schein der Flamme Crowbars Gesicht. Vor Schreck fiel ihm die Kippe aus dem Mund und er starrte Crowbar ungläubig an.
Crowbar knurrte: „Was glotzt du wie ein Thomaner nach nem Rockkonzert? Lauf!“
Das ließ Torben sich nicht zweimal sagen. Er rannte so schnell er konnte zu dem Roller, an dem der Schlüssel noch steckte. Er sprang auf und raste los. Crowbar war zu seinem gerannt und nahm die Verfolgung auf. Er hätte den Wicht einfach sang und klanglos niederschlagen können, aber wo wäre da der Spaß geblieben? Auf der Hauptstraße schlängelte sich Torben zwischen den Autos und versuchte, Crowbar abzuhängen. Doch was Torben konnte, konnte Crowbar schon lange. Weiter ging die wilde Jagd Richtung Gewerbegebiet. Crowbar fragte sich, was der Bengel eigentlich plante, vermutlich hatte er gar keinen Plan. In der Stadt hätte er im Feierabendverkehr eine reelle Chance gehabt, Crowbar abzuhängen oder zu den Bullen zu flüchten. Hier im Gewerbegebiet gab es weder nennenswerten Verkehr noch Bullen. Hier hätte er ihn maximal mit mehr Hubraum abhängen können, das war aber nicht der Fall. Hier zählte nur fahrerisches Können.
Den Gasgriff auf Anschlag jagten beide durch das Gewerbegebiet. Mit jeder Kurve und jedem Kreisverkehr holte Crowbar auf, da er vor den Kurven nicht bremste und die Kurven eng fuhr. Irgendwann fuhr Crowbar links neben Torben. Dieser guckte verdattert. Crowbar winkte ihm wie zum Abschied. Dann passierte es. Crowbar griff nach Torbens Bremshebel und zog die Bremse. Torbens Hinterrad blockierte und brach aus, da Crowbar gleichzeitig Torbens Lenker nach links verzogen und selbst gebremst hatte, um aus Torbens Bremsweg zu kommen. Mit lautem Krachen und Knirschen ging Torben mit seinem Roller zu Boden. Kaum war er nach dem Sturz auf die Beine gekommen, hatte Crowbar schon gewendet und raste auf ihn zu. Diesmal mit erhobenem Nageleisen. Ein unglaublicher Schmerz durchfuhr Torbens Körper, als er vom Nageleisen am Knie getroffen wurde. Torben wollte wegspringen, aber Crowbar hatte ihn dennoch erwischt. Erneut wendete Crowbar und raste auf Torben zu, der gerade von der Fahrbahn zwischen die geparkten LKW kriechen wollte.
„Ich weiß, Kriechtiere stehen unter Naturschutz, aber bei dir mach ich mal eine Ausnahme.“, hörte Torben Crowbar über den Motorenlärm seines Roller rufen.
Als Crowbar an ihm vorüberfuhr, merkte Torben, wie sich seine Jeans in Crowbars Nageleisen verfing. Er wurde mitgeschleift. Der Asphalt schrubbte langsam aber sicher die Kleidung von Torbens Körper.
Crowbar saß lachend auf dem Motorroller und rief Torben zu: „Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber ich hab meinen Spaß.“
Mittlerweile war die Unterseite von Torbens Parka vom Asphalt weggeraspelt. Torben hielt seine Arme so gut es ging vom Asphalt fern und hoffte, dass Crowbar anhalten würde, bevor seine Jacke durchgescheuert wäre.
„Bursche, du hältst dich vielleicht für hart, aber vergiss nie, der Asphalt ist härter!“
Mittlerweile schabte der Asphalt an Torbens T-Shirt. Kaum hatten Crowbar und Torben das Industriegebiet verlassen, da bemerkte Crowbar, dass Torben nicht mehr schrie und zappelte. Er legte ihn über die Ladefläche seines Lieferrollers und steuerte das nächste Krankenhaus an. Dort ließ er ihn in der Zufahrt zur Notaufnahme während der Fahrt einfach vom Roller gleiten und fuhr ohne anzuhalten in die Nacht davon.