Crowbar – hero & outcast

Chapter 14

Crowbar hatte sich zwei seiner drei Angreifer entledigt. Nun überlegte er bei einem Döner, wie er Nummer Drei, Pascal, in die Finger bekommen konnte. Das offensichtlichste wäre, Sonja als Köder zu benutzen. Doch das war ihm zuwider. Die Bonzen in der Gegend abklappern, um den richtigen zu finden, dazu hatte er weder die Ressourcen noch die Zeit.


„Vielleicht über die Zulassungsstelle …“, grübelte Crowbar, als sein Telefon klingelte.
„Unbekannte Nummer“ stand auf dem Display, was kein Wunder ist, wenn keinerlei Nummern eingespeichert sind.
„Guten Abend Crowbar, was ist Ihr Begehren?“
Sonja war am anderen Ende und den Tränen nah: „Er ist wieder da und will rein, er ist total zu und hämmert die ganze Zeit gegen die Tür. Hilf mir bitte!“
„Ich bin unterwegs.“
Crowbar ließ seinen halben Döner liegen, warf dem Verkäufer einen 10€-Schein hin und rannte zu seinem Roller. Ohne Rücksicht auf die Straßenverkehrsordnung fuhr er, so schnell der Roller konnte, zu Sonjas Wohnung. Auf dem Weg wurde er drei Mal bei Rot geblitzt und ein Taxi musste seinetwegen eine Vollbremsung hinlegen. Doch das war Crowbar egal.
Vor Sonjas Haus parkte in der Feuerwehrzufahrt der champagnerfarbene BMW. Crowbar stellte seinen Roller etwas abseits ab und betrat das Haus. Sonja wohnte im zehnten Stock. Wenn er jetzt die Treppe hoch rennen würde, käme er völlig außer Puste an. Das wäre schlecht. Also entschied er sich für den Fahrstuhl, der zum Glück gerade im Erdgeschoss war. Er stieg ein und drückte die Zehn.
Im vierten Stock wohnten seit ewigen Zeiten Inge Koschmidda und ihre Dackeldame Miep. Inge wollte mit mit Miep eine letzte Runde Gassi gehen. Sie wartete vor dem Aufzug. Von oben hörte sie Krawall und Geschrei.
„Diese jungen Leute immer, früher hätte es so etwas nicht gegeben.“, dachte sie.
Mit ein „Pling“ hielt der Fahrstuhl. Als die Tür sich öffnete, sah sich Inge Koschmidda den Worten „Schmerz“, „Gewalt“ und „Streit“ in Personalunion gegenüber. Im Fahrstuhl stand ein Rocker, in der linken Hand einen Revolver, in der rechten Hand ein Brecheisen und in den Augen einen Blick, der auf Töten stand. Miep verkroch sich instinktiv hinter Inges Waden
Als Inge ihn einen Augenblick zu lang anguckte, brüllte der Rocker: „RAUS!“
Inge wäre beinahe rückwärts über Miep gestolpert, als sich die Aufzugtür wieder schloss. Auf diesen Schrecken brauchte sie erst mal einen Eierlikör. Miep hatte sich vor Angst schon im Flur erleichtert, die musste nun auch nicht mehr vor die Tür. Draußen war es sowieso zu kalt für die zarte Dackeldame.
Pascal hämmerte immer noch gegen Sonjas Wohnungstür.
„Pling.“
„Was war das?“, dachte Pascal.
Er drehte sich in die Richtung, aus der das Geräusch kam. In dem Moment öffnete sich die Tür des Fahrstuhls. Er erkannte Crowbar, der mit einer Waffe auf ihn zielte. Es knallte. Pascal warf sich zu Boden und sprang, sobald er sich sicher war, dass er nicht getroffen war, wieder auf und flüchtete. Nach dem Schuss war Crowbar mit erhobenem Nageleisen aus dem Fahrstuhl auf ihn gestürmt. Pascal hatte Todesangst und rannte über die Treppen nach unten.
Als Crowbar aus dem Hauseingang kam, hörte es Räder quietschten und es krachen. Auf der Flucht hatte Pascal den fließenden Verkehr falsch eingeschätzt und ein anderes Auto gerammt. Beide standen auf der Straße, Pascals Unfallgegner schaute verärgert auf den Schaden und Pascal guckte sich panisch in der Gegend nach Crowbar um. Der hatte sein Nageleisen vorausschauend auf seinem Roller deponiert und den Schreckschussrevolver in der Weste verborgen.
Pascal, der verwirrt neben seinem Auto stand, wurde vom Unfallgegner auf heftigste beschimpft. Crowbar mischte sich ein und schlug Pascal mehrfach ins Gesicht. Dabei trieb er ihn immer näher Richtung Kofferraum. Dort angekommen, öffnete Crowbar die Klappe, schlug Pascal endgültig nieder und ließ ihn in den rein kippen. Klappe zu, Affe tot.
Als Crowbar zurück kam, guckte ihn der Fahrer des anderen Wagens an und stammelte: „Aber, aber, aber, das können Sie doch nicht machen.“
Crowbar guckte ihn finster an: „Was ist los? Willst Du bei ihm mitfahren? Kein Problem, für dich ist auch noch Platz. Los schwirr ab!“
Crowbar setzte sich hinter das Lenkrad des BMW und probierte, ob das Auto noch fuhr Das tat es zu Crowbars Freude. Er kannte eine zauberhafte Bauschuttdeponie in Neuss, auf der am Wochenende niemand Fragen über einen brennenden BMW stellen würde.

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