Crowbar – hero & outcast

Chapter 16

Crowbar kam nach einer Stunde mit Bus und Bahn endlich bei Sonja an. Es war nach Mitternacht. Vor der Haustür wollte er sein Lockpickset raus suchen, als ihm einfiel, dass Sonja von Überraschungsbesuchen momentan alles andere begeistert sein dürfte. Er rief sie an.

Nach dem zehnten Klingeln nahm sie ab: „Jaaaaa?“
„Entschuldige bitte die späte Störung, Sunny, aber ich habe gute Neuigkeiten.“
„Crowbar?“
„Jepp, genau der.“
„Hast du auf die Uhr geguckt?“
„Ähm nee, warte kurz.“
Crowbar holte seine Taschenuhr raus: „Es ist kurz vor halb drei.“
Eine Stille entstand, Crowbar befürchtete, dass Sonja wieder eingeschlafen war.
„Stimmt, ist es wichtig?“, fragte Sonja schlaftrunken.
„Ich hab dein Portemonnaie, deinen Schlüssel und dein Handy.“
Crowbar konnte förmlich hören, wie Sonja schlagartig wach geworden war: „Wow, das ist großartig, wie hast du das geschafft?“
„Es hat mit einem kaputten BMW und deinem verprügelten, hoffentlich, Exfreund zu tun. Willst du das Zeug jetzt haben oder morgen.“
„Am liebsten sofort.“
„Kein Problem, kriegen wir hin.“
„Klingel einfach wenn du da bist.“
„Okay mach ich.“
Crowbar wartete ein wenig vor der Tür. Er hätte auch sofort klingeln können, um nicht in der Kälte stehen zu müssen, aber er wollte Sonja Zeit lassen, dass sie ihm nicht in Schlafklamotten gegenüberstehen musste. Nach zwanzig Minuten klingelte er. Sofort fragte Sonja, wer dort sei.
„Ich bin es Crowbar.“
„Sehr schön, komm rein.“
Als Crowbar aus dem Fahrstuhl stieg, wartete Sonja in der Wohnungstür: „Komm rein und wärm dich erst mal auf.“
„Danke. Aber als erstes hier dein Schlüsselbund, dein Portemonnaie und dein Telefon.“
Er drückte Sonja ihre Habseligkeiten in die Hand. Sie führte ihn in die Küche. Dort standen eine Kanne Tee und zwei Tassen.
„Mir ist eingefallen, dass du dir mit den Schlüsseln auch selber aufmachen hättest können.“
„Naja, zuallererst wollte ich gewohnheitsgemäß die Haustür mit dem Dietrich öffnen, dann fiel mir, wie dir eben, ein, dass ich einen Schlüssel habe. Dann dachte ich mir, dass du aufgrund der letzten Ereignisse von Überraschungsbesuchen eher wenig begeistert sein dürftest. Also hab ich dich angerufen, um dir Bescheid zu sagen.“
Sonja gucke auf ihre Küchenuhr: „Du hast eine halbe Stunde in der Kälte gewartet? Warum? Du hättest doch gleich hochkommen können.“
„Schläfst du auch in den Klamotten?“
Sonja war verwirrt: „Hä?“
„Das heißt ‚Wie bitte?‘ Ist das dein Schlafanzug?“
„Nein, willst du den sehen?“
„Schöne Idee, aber ein anderes Mal.“
„Du hast extra gewartet, dass ich mir was anziehen kann. Das ist ja süß.“
„Meine Mutter nennt so etwas Anstand.“
Plötzlich klingelte Crowbars Handy: „Crowbar, mit wem habe ich das Vergnügen?“
„Ich bin es, Wayne. Ich konnte etwas für dich auftreiben. In zwei Stunden bin ich mit dem Abbau fertig, dann können wir uns treffen.“
„Okay, also um sechs am Hintereingang vom Stahlwerk.“
„Jepp, so machen wir das. Bis denne.“
Erneut schaute Sonja auf die Uhr. Es war kurz nach drei.
„Wenn du magst, kannst du bis dahin bei mir auf der Couch schlafen.“
Es war ein langer Tag für Crowbar, also nahm er das Angebot dankbar an. Während Sonja die Couch freiräumte, trank er seinen Tee und wusch die Tasse ab. Als er fertig war, wünschte Sonja ihm eine gute Nacht und verschwand im Schlafzimmer. Kaum hatte sein Kopf das Kissen berührt, war Crowbar eingeschlafen.

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