Chapter 17
Crowbars Handy läutete um halb sechs zum Aufstehen. Mühsam stemmte er sich hoch, Wayne wartete auf ihn. Zehn Minuten später saß er auf dem Roller und war durch Düsseldorf unterwegs zum Stahlwerk.
Es war stockfinster und lediglich die versprengten Reste der nächtlichen Partymeute streunten teilweise ziellos durch die Straßen, aber der Kraftverkehr blieb überschaubar. Am Hintereingang vom Stahlwerk wartete Wayne auf ihn. Crowbar hielt vor ihm. Es war kalt und Crowbar wollte den Termin so kurz wie möglich halten.
„Mahlzeit.“
„Mohoin.“, grüßte Wayne.
„Was hast du denn Feines für mich?“
„Mir ist da so ein Bengalo vom LKW gefallen.“
Mit den Worten überreichte Wayne das Bengalische Feuer. Crowbar versuchte, es in seiner Jacke zu verbergen. Da es jedoch zu sperrig war, verzurrte er es bei seinem Nageleisen zwischen den Beinen.
„Ich wollte erst noch fragen, ob du mich mit nach Bonn nehmen kannst, aber ich sehe, du bist inkognito unterwegs.“
„Haha, sehr witzig, kannst bis nach Wesseling mitkommen, aber das zieht sich auf dem Hobel.“
„Nee, lass mal, da nehm ich besser die Bahn.“
Crowbar startete den Roller und fuhr röhrend nach Wesseling los, er brauchte noch ein paar Sachen. Halb acht erreichte Crowbar Ratchets Werkstatt. Da es Samstagmorgen war, lagen das Häuschen, der Hof und die Werkstatt noch ruhig da. Crowbar wusste, wo er den Notfallschlüssel fand, ließ sich rein und setzte sich in der Küche seinen ersten Kaffee des Tages auf.
Als er fertig war, rief eine Stimme: „Crowbar?“
„Ja?“
In der Tür erschien Ratchet, einen alten Drehmomentschlüssel in der Hand: „Mach doch nicht so einen Scheiß, ich hätte dir beinahe den Schädel eingeschlagen.“
„Jaja, guten Morgen, auch einen Kaffee?“
„Ist der von dir?“
„Ja.“
„Nein danke, der letzte war so stark, der hat meinen Kreislauf erst mal auf die Bretter geschickt.“
„Du kannst ihn ja mit Wasser oder Milch verdünnen.“
„Manchmal kannst du echt widerlich sein.“
„Jaja, du mich auch.“
Crowbar tippte eine SMS an Sonja in sein Handy: „Hast du Bock, Pascal heulen und schreien zu sehen?“
„Sag mal, hast du eventuell noch nen Nierengurt und Handschuhe über?“, fragte er Ratchet.
„Na, hast es trotz des Rollers geschafft, ne Frau klar zu machen? Respekt.“
„Nicht ganz, aber immerhin ne Sozia.“
„Was ist mit den Typen, die dich überfallen haben?“
„Zwei von drei sind abgefrühstückt, Nummer Drei hängt in der Warteschleife.“
„Aha, und wo?“
„In seinem Kofferraum.“
„Hui, ist aber ganz schön frostig.“
„Er kann sich aufwärmen, wenn ich seine Karre niederbrenne.“
„Mit ihm im Kofferraum?“
„Nee, das wäre definitiv drüber. Er darf mit Sicherheitsabstand daneben sitzen und zugucken.
Während beide sich in der Küche unterhielten, war Anna, Ratchets 7-jährige Tochter, erschienen. Die zwei beendeten das Thema und Ratchet begann mit den Frühstücksvorbereitungen. Crowbar setzte einen Kaffee auf, den auch Ratchet vertrug. Anna wurde mit einem Glas Milch vor dem Fernseher mit Zeichentrickserien geparkt.
Als sie sich zum Frühstück hinsetzen wollten antwortete Sonja per SMS: „Was hast du vor?“
Da Crowbar dieses ewige SMS-Ping-Pong nervte, ging er in den Flur und rief Sonja an: „Guten Morgen Sonja, gut geschlafen?“
„Ja, ich hab gar nicht gehört, dass du los bist.“
„Solltest du auch nicht. Also hast du Bock, mitzukommen?“
„Was hast du mit Pascal vor?“
„Sehr simpel, ich poliere ihm die Fresse und demoliere seine Karre. Wenn du magst, kannst du etwas abhaben.“
„Er liebt dieses Auto über alles, es sein ganzer Stolz.“
„Hast du schon mal ein Auto brennen gesehen? Es wird ein spektakuläres Schauspiel. Das solltest du dir nicht entgehen lassen.“
„Klingt verlockend, wo wollen wir uns treffen?“
„11:30 Uhr an deiner Haustür, du wirst festes Schuhwerk brauchen.“
„Okay, bis dann.“
Zurück in der Küche schnappte sich Crowbar ein belegtes Brötchen: „Ratchet, Gurt und Handschuhe hast du? Ich muss los!“
„War das deine Kleine?“
„Ja und nu zieh nen Finger, hast du den Krempel?“
„Ja, in der Werkstatt an der Garderobe.“
„Ich brauche nen 5l-Spritkanister.“
„Wenn ich ihn wieder bekomme, gönn dir.“
„Danke Kumpel, bis später.“, rief Crowbar halb aus der Tür.
Den Nierengurt und die Handschuhe packte er mit seinem Zweithelm in eine Einkaufstüte, die er an einem Haken hinter dem Beinschild des Rollers einhängte. Den Kanister stellte er zwischen seine Füße und los ging die „wilde“ Fahrt zurück nach Düsseldorf.